Matthias Meyer

MITEINANDER. GUT FÜR LAUBACH

Dienstag, 04.12.2020

Ein Mann der Tat

Kandidaten-Porträt: Matthias Meyer will für offene Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgern sorgen / Laubach wählt am kommenden Sonntag

Von Ernst Walter Weißenbom

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LAUBACH

Matthias Meyer ist schnell und konsequent, wenn es darum geht, sich zu engagieren. Als es um den Naturkindergarten Seenbachtal ging, führte der gebürtige Cuxhavener Eltern und Kommunalpolitik zusammen. Das Ergebnis war die Einrichtung einer neuen privaten Kindertagesstätte in Freienseen im August. Diesen Erfolg erzielten Meyer und sein Team von engagierten Eltern in nur drei Monaten intensiver Arbeit unter Corona-Bedingungen. 

Jetzt will der 50-Jährige, der viele Jahre als Investmentbanker und zuletzt als freiberuflicher Coach arbeitete, seine Begabung für alle Laubacher einbringen und Bürgermeister werden. Meyer müsste, falls er gewinnt,  nur die Straßenseite wechseln, um ins Rathaus zu gelangen. Gleich vis-a-vis hat er das ehemalige Anwesen eines bekannten Laubacher Botanikers gekauft, was einst Stadtkasse war. Mit ihm treten zwei weitere Kandidaten, Björn Erik Ruppel (CDU) und Florian Kempff (unabhängig, unterstützt von FDP), am kommenden Sonntag, 06. Dezember 2020, an. Meyer möchte als Bürgermeister unabhängig agieren. In Laubach werde zu wenig und zu langsam umgesetzt, meint er:

Im Rathaussaal zeige sich, dass die Parteien Einzelmaßnahmen für sich reklamierten beziehungsweise abgelehnte Vorschläge zwei Jahre später wieder von einer anderen Partei auf den Tisch kommen würden. Bereits als Investmentbanker habe er besonderen Wert auf die Kooperation der Beteiligten gelegt, auf Augenhöhe. "Wichtig ist es, eine Vertrauensbasis zu schaffen, nicht immer muss Friede-Freude-Eierkuchen herrschen, allerdings ist eine offene Kommunikation notwendig. Das ist die Erfolgsformel", erklärt Meyer, der nach 20 Jahren Karriere in deutschen und niederländischen Großbanken seit zwei Jahren als Berater von Führungskräften, aber auch Bürgermeistern und Klinikchefs unterwegs ist. Nach zwei Jahrzehnten im Bankwesen wollte der Neu-Laubacher, der seit gut einem Jahr in der Residenzstadt lebt, etwas anderes machen. "Ich habe vorher bei einer niederländischen Bank in Frankfurt gearbeitet, die 2006 weltweit das bestverdienende Geldinstitut pro Kopf war." Groß wurde der 50-Jährige allerdings bei der HSH Nordbank in Hamburg. „Sie hatte ein besonderes Standing für Projektfinanzierungen auf PPP-Basis (Anm. der Redaktion Public-Private-Partnership, Zusammenarbeit von Unternehmen mit öffentlich-rechtlichen Trägern) und spielte trotz Landesbank-Status in der Championsleague mit. "Für die Elbphilharmonie hatte ich PPP angeboten. Der Hamburger Senat hat seine Entscheidung, jedoch öffentlich-rechtlich bauen zu lassen, später teuer bezahlt".
Banker achteten genau darauf, dass die angesetzten Projektkosten eingehalten würden, da die Refinanzierung ansonsten infrage gestellt sei. Daher gebe es eine Berater-Herrschar, die gewährleisteten, dass der Bau funktioniere. Das koste anfangs mehr Geld, sei aber gut so. ,,In Laubach ist so etwas nicht machbar, da es sich erst ab 50 Millionen Euro rechnet", schränkt der ehemalige HSH Nordbank-Vorstandsassistent und spätere Bereichsleiter Infrastruktur & Erneuerbare Energien der niederländischen NIBC ein. 

Liebe zum Meer

Als Cuxhavener liegt dem Kandidaten das Meer besonders am Herzen, auch weil der Vater Kapitän war. "In meiner Vorschulzeit habe ich fast genau so viel Zeit auf Schiffen wie an Land verbracht." Als Kind lernte er viele Kulturen kennen. Doch die Romantik an Bord verschwand mit der modernen Containerschifffahrt, gesteht Meyer. Seine Hundeliebe hat der Cuxhavener als Junge an Bord entdeckt, als ihm der Koch einen Streuner schenkte. Der heutige Haushund heißt Lupo und ist ein Kreta-Hund. Meyer hat drei Kinder, davon zwei aus erster Ehe. Er lebt mit seiner Frau Lena, einer Pianistin und Musiklehrerin aus Laubach, und dem vierjährigen Sohn Bela in der Friedrichstraße. Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre als Bankkaufmann bei der Cuxhavener Stadtsparkasse . "Eigentlich wollte ich Pastor, Geologe oder Archäologe werden, doch ich war auch sparsam. Und mit der Spardose ging es dann als Kind zur Sparkasse, da bekam man Zinsen", lacht der 50-Jährige, dem die Vermehrung seines Geldes am Herzen lag: "Für mich war das ein sehr ehrenhafter Beruf."

Der heute 50-Jährige wuchs in einem sozialdemokratischen Familienumfeld auf und war bereits mit 14 Jahren politisch aktiv. Mit 18 Jahren wurde er Vorsitzender der Jusos Junge Sozialdemokraten) in Cuxhaven und engagierte sich in den Folgejahren bis hin zum erweiterten Bundesvorstand der SPD-Jugendorganisation. Kommunalpolitisch wirkte Meyer als Bürgervertreter im Umweltausschuss des Kreistages und als beratendes Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion. ,,Ich war kurz davor, Berufspolitiker zu werden." Letztlich zog er sich aus der Politik zurück, um sich auf sein Studium zu konzentrieren. Mit 29 Jahren wurde der Mann aus der Hafenstadt einer der Absolventen der bekannten Privatuniversität Witten/ Herdecke, die von Vertretern der freien Wirtschaft als Reform-Uni ins Leben gerufen worden war. lm Vorfeld mussten die Kandidaten ein ganztägiges Assessment-Center durchlaufen. Wer es wie Meyer geschafft hatte, musste keine Studiengebühren zahlen. Im Zuge der Debatte um die Einführung von Studiengebühren an öffentlich-rechtlichen Unis sollte sich das ändern. Meyer, damals im Vorstand der Studierendengesellschaft, schuf mit anderen ein tragfähiges Finanzierungskonzept, um die Gebühren abzuwenden.

Als Geldgeber für die Anschubfinanzierung in Höhe von sechs Million Mark konnte er die Deutsche Bank gewinnen. Das Konzept funktioniert heute noch. Wer dort studieren darf, kann als Option während des Studiums weiterhin nichts zahlen, aber später gehaltsabhängig Mittel zurückerstatten. "Und der Deutschen Bank haben wir ihren Kredit zurückgezahlt", betont Meyer, der natürlich auch ein Auge auf die Laubacher Finanzen haben wird, wenn er Bürgermeister werden sollte. 

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Freitag, 11.09.2020 - 18:00

Kandidat Meyer stellt Manifest für Laubach vor

Der unabhängige Matthias Meyer wird gegen Björn Erik Ruppel von der CDU zur Bürgermeisterwahl in Laubach antreten, beide haben in Geldinstituten Karriere gemacht.

Von Ernst Walter Weißenborn

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Laubach

Klein- gegen Großbanker, Alt- gegen Neudörfler. So will es Matthias Meyer gerade nicht verstanden wissen, der jetzt als zweiter Kandidat zu den Bürgermeisterwahlen in Laubach antritt. Eine Sache verbindet den gebürtigen Cuxhavener mit dem Laubacher Mitbewerber Björn Erik Ruppel, der für die CDU ins Rennen geht: beide haben in Geldinstituten Karriere gemacht. Die Laubacher wählen am 6. Dezember einen neuen Bürgermeister, nachdem Amtsinhaber Peter Klug bereits 2018 angekündigt hatte, aufzuhören.

Dass Meyer eine ganz andere Sichtweise als Außenstehender auf die ehemalige Residenzstadt hat, bewies er zum Auftakt seiner Wahlkampagne im Rathaussaal am Donnerstagabend. Hier sprach der 50-jährige Kandidat nicht nur für sich, sondern ließ auch andere über ihn sprechen. Sogar Bürgermeister Peter Klug war zur Begrüßung kurz anwesend, um Meyer mit auf den Weg zu geben, dass er 62 Unterschriften für seine offizielle Bewerbung brauche. Annähernd diese Anzahl von Unterstützern, aber auch weitere Interessierte saßen im Rathaussaal - voran der bekannte "Vollwert-Papst" Prof. Dr. Claus Leitzmann, der seit 1974 in der Kernstadt wohnt, und Meyer für den idealen Anwärter für das Amt hält.

Noch eine zweite Laubacher Koryphäe war als Meyer-Befürworter erschienen, der 20-jährige Botaniker Jakob Nolte, der in dieser Woche die Ehre hatte, sich in das Goldene Buch der Stadt eintragen zu dürfen. Zudem unterstrich die Mitstreiterin Carolin Sauerborn aus dem Ringen um den Naturkindergarten Seenbachtal, dass der Wahl-Laubacher für mehr Transparenz in der bisher "undurchschaubaren Kommunalpolitik" sorgen werde. In seiner Eigenschaft als Bürger, nicht als Freier Wähler sagte außerdem Dr. Diego Semmler seine Unterstützung zu, der Meyer erst am Vortag kennengelernt hatte: "Er hat mich mit seinem Charme und Programm sofort begeistert". Zudem war der Freienseener Sozialpfarrer Dr. Ulf Häbel gekommen, allerdings ebenfalls, wie er betonte nur in seiner Eigenschaft als Bürger, nicht als FW-Fraktionsvorsitzender. Ihn freue es, dass es schon jetzt so eine gute Auswahl an Kandidaten für die Bürgermeisterwahl gebe. Bewerbungsschluss ist der 28. September. Für die Grünen sprach sich deren Stadtverbandsvorsitzende Dr. Christiane Schmahl und für die SPD Hartmut Roeschen für den Kandidaten aus. Auch Heinrich Philippi einst als Kandidat für die zukünftige Bürgermeisterposition gehandelt, will Meyer an der Rathausspitze sehen.

Der 50-jährige ehemalige Manager und heutige Coach stellte an diesem Abend kein Wahlprogramm, sondern ein "Manifest für Laubach" vor. Zuvor ging er jedoch auf seine Kandidatur ein. "Es ist keine Überraschung, ich werde kandidieren. Meine Familie und ich haben uns vor einem Jahr Laubach ausgesucht und sofort in die Stadt verliebt." Ausgangspunkt sei natürlich der Naturkindergarten Seenbachtal gewesen. "Viele haben gesagt, das wird nichts. Doch viele Ideen und Geschick wurde eingebracht, um etwas gemeinsam auf den Weg zu bringen. Das hat wunderbar funktioniert." Laubach sei ein "tolles Städtchen mit viel Potenzial. Es geht mir um eine neue Vision von Laubach, bei der viele mitmachen". Deswegen werde er sich auch nicht anderen Parteien wie der CDU verschließen, sondern auf sie zugehen, unterstrich Meyer. Er fühle sich nicht als Kernstädter, sondern als Laubacher. Dabei ging er sofort auf die aktuelle Debatte um die Internetversorgung in Altenhain ein, in der sich alle Laubacher solidarisch erklären müssten, um diese zu verbessern. Öffentlicher Druck von allen Seiten sei hier das beste Mittel.

Seinem Manifest hatte Meyer vorangestellt: "Die Vielfalt macht Laubach aus." Er wolle eine neue Kultur des Miteinanders schaffen. "Die flächenmäßig größte und waldreichste Gemeinde im Landkreis Gießen zu sein, ist unser Kapital", heißt es hier. Und weiter: "Wir laden zukünftige Neubürger*innen und zu Laubach passende Unternehmen ein, hier heimisch zu werden." Laubach solle überregional als "Leuchtturm zeitgemäßer und zukunftsweisender nachhaltiger Entwicklung" bekannt werden. Es werde eine "Kultur der Ermutigung und Wertschätzung" geben. "Die besten Ideen und Konzepte werden konsequent umgesetzt." Als seine Aufgabe sieht er an, als unabhängiger Bürgermeister "Initiator, Moderator und Vorreiter einer neuen Kultur des vertrauensvollen Miteinanders zu sein".

Meyers Wahlkampagne startet am Sonntag, 13. September, im Stadtteil Münster. Ab 11 Uhr wird er im Dorfgemeinschaftshaus Rede und Antwort stehen. Ein Facebook-Auftritt ist bereits aktiviert, eine Internetseite wird folgen. Dazu wird es eine Kampagnen-Broschüre geben, die wie Meyer betont, nachhaltig produziert wird. Um seine Parteiunabhängigkeit zu beweisen, hat der Ex-Manager ein besonderes Spendenkonzept entwickelt. Er nimmt nur Mittel für seine Kampagne bis zu 300 Euro an und Überschüsse werden nach der Wahl dem Förderverein Schwimmbad Laubach und der Jugendarbeit der Laubacher Wehren zugutekommen.

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